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Mehr Mittelmäßigkeit

Wir alle wissen, dass es bei allem, was man tut im Leben, auf das richtige Maß ankommt.
Nicht zu viel essen, nicht zu wenig essen. Nicht zu viel Sport, nicht zu wenig Sport. Nicht zu viel kritisieren, nicht zu wenig kritisieren.
So schwierig der goldene Mittelweg oftmals zu finden ist, so wichtig ist er doch für ein angenehmes Leben.

Das Mittelmaß, die Mittelmäßigkeit wären demnach zu erstrebende Werte. Doch warum verstehen die meisten Menschen unter diesen Worten eher Abwertendes?
Ein gesund lebender, vernünftiger Mensch würde sich selbst wohl kaum als “mittelmäßig” charakterisieren.

Es macht Sinn (bitte keine Belehrungen über diesen Ausdruck. Ich bin der Meinung, Sprache kann und soll sich weiterentwickeln – im richtigen Maß, selbstverständlich.), wenn wir bei Produkten hinsichtlich ihrer Qualität das Mittelmaß nicht als ausreichend erachten. Ebenso sollten Leistungen im Sport mehr als mittelmäßig sein.

Meine Beobachtung ist jedoch, dass der Mensch (bzw. viele Menschen) in unserer kapitalistischen Wettbewerbsgesellschaft in jeglichen Bereichen “besser” als das Mittelmaß sein möchte. Der Mensch hat sich zum Produkt gemacht, dass es zu verkaufen gilt.
Dass er damit seiner eigenen, Mittelmäßigkeit suchenden Natur entgegenwirkt, scheint er oftmals nicht zu merken.

Das ist ein Grund, warum es immer mehr Alkoholabhängige, immer mehr Patienten mit Burnout-Syndrom und immer mehr verschuldete Menschen gibt.

Deshalb plädiere ich für etwas mehr Bescheidenheit, nicht nur was materielle Dinge betrifft, sondern auch, was geplante Tätigkeiten angeht.
Außerdem wäre weniger Konsum auch schon ein Weg in die richtige Richtung, egal, ob es Alkohol, Essen, Fernsehen oder Sex ist. Denn Paracelsus hat es schon 1538 erkannt: “Allein die Dosis macht das Gift.”

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