Gesunder Ehrgeiz?
In unserer Gesellschaft wird der Eindruck vermittelt, der Ehrgeiz sei eine wichtige Eigenschaft, um Erfolg im Leben zu haben. Zumindest beruhe der Erfolg im Beruf darauf und meiner Meinung nach wird dieser landläufig mit dem Erfolg im Leben gleichgesetzt.
Beispiele für die Bedeutung finden sich en masse:
- “Ich habe den Ehrgeiz, Deutschlands Chancen zu nutzen.” – Angela Merkel in “Der Spiegel” vom 25.07.2005
- “Weiter im Aufwind der Strebungen der Jugendlichen befinden sich die Sekundärtugenden, insbesondere Fleiß und Ehrgeiz.” – Shell Jugendstudie 2006
- “Ehrgeiz und Wille zur Macht für Karriere wichtig” – Artikel auf netzeitung.de
Ganz zu schweigen auch von den unzähligen Jobprofilen, in denen Ehrgeiz als gefragte Eigenschaft dargestellt ist.
Man muss natürlich erst einmal klären, was Ehrgeiz überhaupt bedeutet.
Wikipedia beleuchtet die Wortherkunft und schreibt:
“ursprünglich von Ehre und Geiz, gemeint ist jedoch die mittelalterliche Bedeutung Gier, also „nach Ehre gieren“ und nicht etwa „mit Ehre geizen“”
Meyers Lexikon online schreibt:
“das Streben, andere an Ehre, Geltung oder Macht zu übertreffen; ethisch teils positiv (als Leistungsimpuls), teils negativ bewertet, v. a. als übersteigerter Ehrgeiz (Ehrsucht), der andere in den Schatten zu drängen oder Leistungen vorzutäuschen sucht.”
Ich möchte auch darauf hinweisen, dass im Englischen, wie im Französischen, nicht zwischen Ehrgeiz und Ehrsucht unterschieden wird. Beides heißt in beiden Sprachen “ambition”.
Warum möchten Firmen also Mitarbeiter einstellen, die ständig versuchen würden, andere Mitarbeiter an Ehre, Geltung oder Macht zu übertreffen?
Ich glaube, dies würde nur zu Neid und Missgunst, zu einem “Wettrüsten” der Untugenden führen und damit wohl eher nicht dem Erfolg der Firma dienlich sein.
Wichtiger noch ist aber die Frage, warum die Menschen selbst über anderen stehen wollen. Natürlich möchte man Anerkennung und Lob erfahren, möchte zeigen, dass man etwas kann.
Dazu ist es aber nicht notwendig, es auf eine Art zu tun, die vermeintlich zeigt, dass Andere eine Sache weniger gut können. Vielmehr sollte es so geschehen, dass Vertrauen in die eigene Sache vorhanden ist und diese somit glaubwürdig erscheint und infolgedessen anerkennungswürdig ist.
Ebenso wenig sollte man die Erwartungshaltung besitzen, dass jede Tat, jedes Handeln sofort belohnt wird.
Es ist falsch, etwas zu tun, weil man sich davon eine Belohnung verspricht. Besser ist, es zu tun, weil man glaubt, dass es das Richtige ist. Ohne Berechnung und ohne Hintergedanken.
Von Bertrand Russell stammt der weise Spruch:
“Zuneigung zu empfangen, ist eine machtvolle Glücksquelle, der Mensch aber, der sie fordert, wird sie nicht erlangen.“
Der Mensch, der verantwortungsvoll, wahrhaftig und konsequent handelt – und nicht nur am eigenen Wohl interessiert ist – wird Anerkennung bekommen. Es ist auch nicht die Quantität der Anerkennung wichtig, sondern ihre Qualität.
Ich denke, dass die Bedeutung des Wortes Ehrgeiz oftmals falsch verstanden und eingesetzt wird. Jemand, der einen großen Willen zeigt, eine Sache durchzuführen und sich darin nicht oder nur schwer beirren lässt, muss deswegen noch nicht ehrgeizig sein. Es ist genauso möglich, dass ihm sein Glauben an die Sache Stärke gibt. Und dieser Glaube wird ihm auch helfen, beim Verfehlen des Zieles oder (noch) fehlender Anerkennung, die Selbstachtung nicht zu verlieren.
Um die Titelfrage zu beantworten: Ich glaube nicht, dass es einen gesunden Ehrgeiz gibt – dieser Begriff ist eine Contradictio in adjecto.
Noch etwas zum Glauben – will man selbigen der Bildagentur fotosearch.de schenken, so sieht es so aus, wenn sich zum Ehrgeiz auch noch Aggressivität und Angst hinzugesellen.




04.06.07 23:44
ich spiele gern tischtennis und es ist fast unmöglich ohne ehrgeiz dabei zusein wenn es mal um mehr geht als zu spielen. die gegner fühlen sich verarscht wenn man sich nicht bemüht und so. dann geht es darum besser zu werden zu lernen zu trainieren um überhaupt mitspielen zu können motovation kommt da inbs spiel und mit ehrgeiz läuft es schneller fiebern aufregen rumschrein und das meiste richtet sich dabei gegen sich selbst wie oft ich immer hör mensch scheisse das war doch mist und das finde ich immer toll wie ich mich und andere sich selbst fertig machen!- ehrgeiz
14.06.07 13:13
Hallo petaxi,
ich weiß genau, was Du meinst und kann es auch gut nachvollziehen. In Spiel und Sport ist Ehrgeiz durchaus angebracht. Der Sport lebt ja geradezu von ihm.
Allerdings gibt es in diesen beiden Bereichen feste Regeln, die das Handeln vorgeben.
Im (restlichen) Leben und im (beruflichen) Umgang mit anderen Menschen gibt es diese jedoch nicht.
Dies führt dazu, dass sich jeder Mensch seine eigenen Regeln macht. Das ist an sich nicht verwerflich, solange kein anderer dadurch behindert oder vernachlässigt wird.
Kommt es aber zu einem Konflikt zwischen den unterschiedlichen Regeln zweier Personen, so werden beide – sofern sie wirklich ehrgeizig sind – versuchen, sich mit allen Mitteln durchzusetzen. Und wahrscheinlich werden diese Mittel dann auch ungerechter Natur sein.
Das ist der Moment, wenn aus dem Konflikt ein echter Streit wird und sich zeigt, dass Ehrgeiz ausserhalb von Spiel und Sport nun mal ungesund ist.
Aber vielleicht auch innerhalb, denn angesichts des momentanen Dopingskandals im Radsport sieht man, dass es auch im Sport ziemlich ungesund sein kann, immer der Beste sein zu wollen.
(Dass dahinter aber auch hohe Geldsummen stecken, welche das ganze Szenario vergiften, sei nur nebenbei erwähnt, denn einen vernünftigen Menschen kann mann nicht wirklich zwingen, seinen Körper massiv zu beschädigen.)
24.11.07 02:17
Zitat Oscar Wilde:
“Ehrgeiz ist die letzte Zuflucht der Versager”