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Archiv für Februar, 2007

Selbstverwirklichung? Nichts leichter als das!

28.02.07

Immer, wenn ich dieses Wort hörte, wusste ich nicht richtig, was es eigentlich bedeutet. Ich konnte mir nichts darunter vorstellen. Es erzeugte eine gewisse Leere in meinem Kopf (nein, die ist vorher nicht schon da gewesen).
Also habe ich einmal genauer überlegt, was Selbstverwirklichung eigentlich sein könnte.

Mein erster Gedanke war, wieso ich mich selbst verwirklichen solle – ich bin doch wirklich! Ich glaube zumindest, dass ich es bin, dass ich real existiere.
Aber diese Antwort schien mir zu einfach; wenn so viele Menschen dieses Wort gebrauchen, dann muss doch mehr dahinter stecken.

Mir ist aufgefallen, dass es die meisten Menschen im Zusammenhang mit der Berufswelt verwenden. Also gut, wie könnte Selbstverwirklichung im Beruf aussehen?
Nehmen wir zum Beispiel den Beruf des Strassenkehrers. Es wird sich jeder vorstellen können, dass Strassenkehren nicht gleich Strassenkehren ist. Der eine hat keine Lust, schaut die ganze Zeit auf die Uhr und schwingt seinen Besen nur huschhusch über den Asphalt. Der andere ist Musiker und bewegt seinen Besen im Takt der Klänge aus seinem MP3-Player und wieder ein anderer ist ein betrogener Perfektionist, der die Zahnbürste seiner Frau für die ganz kleinen Ritzen nimmt.
Es hat also jeder seine eigene Art, die Aufgabe zu erledigen – jeder setzt seine Vorstellung in die Tat um und verwirklicht sich damit selbst.
Ich glaube, man kann das auch auf alle anderen Berufe – ja auf alle Tätigkeiten und Handlungen überhaupt – anwenden: Jeder macht alles so, wie er es für richtig hält. Ich stelle fest:

Selbstverwirklichung ist handlungsimmanent.

Damit ist sie natürlich auch unausweichlich. Und dadurch, dass man sich in seinen Taten zu erkennen gibt, trägt man auch eine Verantwortung sich selbst gegenüber (Liebe Lucky-Strike-Werbemacher, ihr seid ziemlich kreative Köpfe und eure Werbung als solche finde ich sehr gut, aber verwirklicht ihr euch wirklich selbst, wenn ihr Menschen dazu motiviert Gift zu kaufen?).

Doch wovon reden die Leute nun, wenn sie dieses scheinbar gehaltlose Wort verwenden?
Ich schaue bei “Meyers Lexikon online” nach und finde:

“Streben nach Emanzipation von Abhängigkeiten natürlicher, ökonomischer, moralischer sowie metaphysisch-religiöser Art.”

Das erinnert mich an die Aufklärung von Kant. In Anlehnung an seinen berühmten Ausspruch könnte man auch formulieren: “Selbstverwirklichung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.”
Wenn ein über 200 Jahre alter Gedanke in Form eines Modeworts wieder erscheint, so soll mir das sehr recht sein.

Wenn man jedoch den ökonomischen Aspekt der Meyers’schen Definition betrachtet und sich der zumeist berufsbezogenen Verwendung des Wortes Selbstverwirklichung bewusst ist, so stellt sich die Frage, wie sich Menschen von etwas – also hier der ökonomischen Abhängigkeit – emanzipieren wollen, dass die Grundlage – also hier der Beruf, in dem man sich selbst verwirklichen will – für die Emanzipation darstellen soll.

Ich bin mir zwar immer noch nicht im Klaren, was die Menschen meinen, wenn sie von Selbstverwirklichung reden, aber ich glaube inzwischen, dass sie es meistens selbst nicht wissen und damit (sich selbst) nur über die Unklarheit des eigenen Willens hinwegzutäuschen versuchen.

Einschlafhilfe

23.02.07

Das Gerät in folgendem Video soll ein perpetuum mobile darstellen. Das ist natürlich Quatsch.
Aber es ist eine schöne handwerkliche Arbeit, der zuzuschauen durchaus entspannend wirken kann.

Die Überschätzung des Verliebtseins

20.02.07

Es ist eine weit verbreitete Meinung, dass das Verliebtsein ein wichtiges Ziel, ein unbedingt zu erstrebender Zustand im Leben ist. Mehr noch, es wird als Notwendigkeit empfunden, um glücklich zu sein oder zu werden.

Aber was bedeutet es eigentlich, verliebt zu sein?

Es kennen wohl alle das Gefühl – man hat nur noch Augen für die Person der Begierde, man ist in einem euphorieähnlichen Zustand, die restliche Welt wird ausgeblendet. Abends liegt man im Bett und kann keinen anderen Gedanken fassen. Vielleicht vergießt man auch die ein oder andere Träne und bemitleidet sich damit nur selbst.
Und man spürt natürlich auch die anderen körperlichen Anzeichen in Form von schnellerem Herzschlag oder “Schmetterlingen im Bauch”, von welchen z.B. auch ein Ecstasy-Konsument berichten könnte.

Im Grunde ist es ein Rausch, wie er auch von Drogen verursacht werden könnte. Die Gefahr bei vielen Drogen liegt aber nicht in der eigentlichen Substanz, sondern eben in dem Rausch, den man immer wieder erleben möchte und der zur Abhängigkeit führt.
Ebenso kann das Gefühl des Verliebtseins zu Abhängigkeit führen. Es dürfte der häufigste Trennungsgrund in Beziehungen sein, wenn die Wirkung des Rausches mit den Monaten oder Jahren verschwunden ist, die Partner sich nun mit offenen Augen sehen und realisieren, wie unterschiedlich sie eigentlich sind.
Denn noch in der Phase des Verliebtseins setzt man (rauschinduzierte) Hoffnungen und Erwartungen in die andere Person, die diese unmöglich erfüllen kann. Glück kann nur aus einem selbst kommen. Das kann niemand für einen übernehmen.
Blind macht nicht die Liebe, sondern das Verliebtsein.

Natürlich ist Liebe das, was jeder möchte. Um sie zu empfangen, muss man sie aber auch aussenden können. Und dafür benötigt man eine “Sendeanlage”, die Selbstliebe heisst. Sie ist die Voraussetzung, um glücklich zu sein. Sie ist die Voraussetzung, um mit einem anderen Menschen in einer liebevollen Beziehung zu leben. Sofern man es nicht schon tut, sollte man es also lernen, sich selbst zu lieben.

Hier gibt es allerdings eine Gefahr, die der des Verliebtseins gleicht. Wenn sich statt der Selbstliebe nämlich Selbstverliebtsein einstellt. Auch hier ist man in gewisser Weise blind. Man ist nicht mehr selbstkritisch, man will auch keine Kritik von aussen akzeptieren. Man ist überzeugt, dass das eigene Denken und Handeln das Richtige ist.

Ich glaube, der Leser wird mir zustimmen, dass der Zustand des Selbstverliebtseins nicht erstrebenswert ist. Warum sollte es also das Verliebtsein sein? Natürlich, es kann ein netter, amüsanter Rausch sein, der in manchen Fällen sogar in Liebe münden kann. Aber es ist keine Voraussetzung für Liebe (!) und man sollte sich während des Rausches bewusst sein, dass dieser Geisteszustand, der einem momentan innewohnt, ein temporärer ist.

Die Gefahr des Verliebtseins liegt ausserdem darin, dass man der Täuschung verfällt, man habe sein Ziel erreicht, beziehungsweise werde es damit erreicht haben, eine Beziehung mit dem anderen Menschen zu führen. Im Leben gibt es jedoch kein (wahres) Ziel – der Tod ist unausweichlich, gewinnen kann man dieses Spiel nicht – es gibt nur einen Weg. Den Weg der Erkenntnis. Man erlangt Erkenntnis über sich selbst, über die Strecke, die man bisher zurückgelegt hat und die Neugier, die man zu befriedigen suchte und noch sucht.

Sieht man in diesem Sinne Gleichheit beziehungsweise starke Ähnlichkeit in einer anderen Person, so ergibt sich die zu nutzende Chance, das Kommende gemeinsam zu erleben und mit ihr die Liebe zu entdecken.
Eine Beziehung ist also ein Mittel zum Zweck. Nein, nicht nur ein Mittel zum Zweck, sondern das Mittel zum Zweck. Zum Zweck des Suchens und des Sichfindens, des Zweifelns und des Erkennens, des Genusses der Nähe und der Notwendigkeit der Distanz.

Eigene Komposition: Network

20.02.07

Einer der songs, die ich gemacht habe, und der vom Namen her vielleicht ein guter Anfang für dieses Blog ist.

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Farbenlehre mit Rudi Dutschke

20.02.07

Jürgen Miermeister schreibt in seinem Buch “Rudi Dutschke”:

” ‘Er war jemand‘, erinnert sich Ulrich Enzensberger, dessen Kommune-Bruder Dutschke in Revolte-Zeiten fast geworden wäre, ‘der seine drei Bände Marx unterm Arm hatte; auf jeder Seite dieser Bücher hatte er mit einem fünffarbigen Kugelschreiber, den er ständig bei sich trug, jede Zeile unterstrichen. Einige Zeilen waren nur blau, andere waren blau und rot, und die anderen waren blau, rot und grün unterstrichen. Danach hat er auch geredet’ “

Ich würde zu gern wissen, wofür die unterschiedlichen Farben standen – hat jemand eine Ahnung?